 |
 |
 |

Artikel/
Dokumente:
Methoden der Ausbildung 1
Methoden der Ausbildung 2
Methoden der Ausbildung 3
Methoden der Ausbildung 5
Die zeitgemäße Führung von Mitarbeitern
Beratungs- und Förderungsgespräch
Die Auswahl des Auszubildenden
Innere Kündigung
Der Ausbilder als Teamentwickler
Der Ausbilder als Mitarbeiter- entwickler
Der Ausbilder als Problemlöser
Der Ausbilder - mehr als nur 'Lehrer'
Mehr Zeit für die Ausbildung
Der Kunde als König
Wie wähle ich den 'richtigen' Auszubildenden
Interkulturelle Kompetenz
Literatur- empfehlungen
Scientology- erklärung
|

Der Ausbilder als Konfliktmoderator
von Stephan Möller
Der Ausbilder Kieslich hat derzeit drei Auszubildende,
für die er verantwortlich ist. Alle, darauf ist er besonders stolz,
haben sich gut in den Kreis der Kollegen eingefügt und zeigen viel
Interesse an der Arbeit. Nachdem er einige Tage Urlaub gemacht hat und
heute wieder im Betrieb erscheint hat er schnell den Eindruck, daß
das Klima in der Kolonne um den Vorarbeiter Riemer gespannt, ja gereizt
zu sein scheint. Kieslich werdet sich an Riemer und befragt ihn nach den
Ursachen. Dieser entgegnet gereizt: "Dein Sprößling, der
Helmer, seit einigen Tagen spinnt der hier 'rum. Jetzt hat der mal 'ne
gute Leistung gezeigt, schon schwingt der sich zum Vorarbeiter auf. So
geht's ja nicht."
Kieslich verspricht, mit dem Azubi zu sprechen. Riemer
jedoch sieht den Sachverhalt ganz anders: "Das ist völliger
Schwachsinn. Der behandelt mich wie einen Idioten. Das einzige, was ich
von dem wollte, ist, daß der mich nicht immer die Drecksarbeit machen
läßt. Das ist alles."
Solche oder ähnliche Situationen sind uns stets
gegenwärtig. Es stellt sich also die Frage, wie wir mit solchen Konfliktsituationen
gut umgehen. Dazu ist es zunächst wichtig, ein neues Verständis
über den Begriff "Konflikt" zu entwickeln.
Überall dort, wo Menschen zusammenkommen, sind Spannungen
und Reibungsverluste vorprogrammiert. Deswegen müssen noch nicht
unbedingt Konflikte entstehen, vorausgesetzt, Sie sind bereit und willens,
die Dinge rechtzeitig und offen anzusprechen, bevor sie sich zu tief eingefressen
haben. Dies wäre ein Appell an Ihre soziale Kompetenz als Ausbilder.
Eine Konfliktsituation ist gegeben, wenn zwischen zwei
oder mehreren Parteien eine offen ausgetragene Meinungsverschiedenheit
besteht. Diese äußert sich in Spannungen, Uneinigkeit oder
Emotionalität.

Wie stark ein Konflikt ausgeprägt ist, hängt
vom Ausmaß der zwischen den Parteien bestehenden Differenzen ab.
1. KONFLIKTE: CHANCEN ODER KRISEN?
Konflikte
- sind Chancen, wenn sie thematisiert und offengelegt werden. Sie geben
dann Raum zur offenen Aussprache und zum Wachstum zwischen zwei oder
mehr Menschen.
- sind Krisen, wenn sie verdeckt bleiben, nicht offen angesprochen
werden und mit ihrer destruktiven Dynamik die Beziehung zwischen zwei
oder mehr Menschen belasten.
Dabei gilt folgendes Verständnis:
- Ein Konflikt ist weder gut noch schlecht; es handelt sich um einen
Vorgang, mit dem man umzugehen wissen muß.
- Ziel des Konflikt-Managements ist es, ein Klima guter Zusammenarbeit
und durch Verhandeln eine "Sieger-ohne-Verlierer"-Haltung
aufzubauen.
- Ziel ist es weiterhin, optimale Problemlösungen zu finden unter
Aufrechterhaltung des Verhältnisses der Konfliktparteien zueinander.
- Ziel ist es, positive Bindungen zu schaffen und aufrechtzuerhalten.
2. URSACHEN UND MERKMALE VON WIDERSTÄNDEN/KONFLIKTEN
Widerstände haben eine wichtige Funktion: Sie zeigen
an, wo Energie vorhanden, aber momentan gebunden ist. Wir sprechen von
Widerstand, wenn keine Wechselwirkung zwischen Chef und Mitarbeiter, zwischen
Arbeitsteams, Abteilungen, zwischen Innen und Außen usw. mehr möglich
ist.
Dabei kann es folgende Ursachen geben:
- Unterschiedliche Vorstellungen bzgl. Zielsetzungen und Interessen
- Unterschiedliche Wertvorstellungen
- Unterschiedliche Problemwahrnehmung
- Macht-Status-Rivalität
- Unsicherheit - mangelndes Kompetenzgefühl
- Unklare Rolle - unterschiedliche Vorstellung von dem, was ich und
was Sie denken, was getan werden sollte
- Suche nach der eigenen Identität
- Persönliche Bedürfnisse
- Geringe oder mangelnde Kommunikation
Für den Ausbilder heißt dies:
- Widerstände erkennen,
- Widerstände akzeptieren durch Kontakt,
- dem Auszubildenden helfen, Widerstände auszudrücken,
- Widerstände - wenigstens zuerst - nicht persönlich nehmen
oder sie als Angriff auf die eigene Kompetenz verstehen.
Die Art und Weise, wie der Ausbilder mit dem Widerstand
arbeitet, kann Modell für den Mitarbeiter sein, wie er selbst mit
Schwierigkeiten und Widerständen umgeht.
Besonders häufige Formen von Widerstand:
- Ein Mitarbeiter fragt nach immer mehr Informationen oder überflutet
die Führungskraft mit Informationen und Problemen.
- "Es ist gut, was die Führungskraft will, aber jetzt ist
nicht die Zeit dafür" oder "Wir haben keine Zeit."
"Ja, aber....", "Erst dies, dann..." und weitere
sogenannte "Killerphrasen".
- Verallgemeinern, intellektualisieren; der Mitarbeiter stellt viele
Warum-Fragen.
- Moralisieren, urteilen, Verschiebungen: "Die da sollten..."
"Man müßte..." "Die anderen sind schuld."
- Der Mitarbeiter ist mit allem einverstanden und tut alles, was die
Führungskraft sagt.
- Auf Lösungen drängen, nur am Ergebnis interessiert sein,
nicht am Weg und am Prozeß.
- Widerstand gegen Methoden,oder Vorgehensweisen wird dadurch ausgedrückt,
daß zuerst alle zustimmen müssen.
3. STRATEGIEN FÜR DEN UMGANG MIT WIDERSTÄNDEN
3.1. Verhandlung als Strategie im Umgang mit Konflikten
Manchmal ist es schwierig, zwischen Verhandlung
und Debatte zu unterscheiden. In einer Debatte sind die Ansichten
völlig entgegengesetzt und die Teilnehmer versuchen, den anderen
zu besiegen (Gewinner-Verlierer-Situation). Auch bei Verhandlungen können
die Standpunkte genau gegensätzlich sein - zumindest am Anfang, doch
die Parteien sind bemüht, eine für alle Beteiligten akzeptable
Lösung zu finden.
Die Vertreter des Aushandelns von Interessen versuchen
statt dessen herauszufinden, was der andere wirklich will und wie wir
diese Bedürfnisse zufriedenstellen können.
Beispiel:
Ein Mitarbeiter fordert eine Gehaltserhöhung. Sie sind der Meinung,
daß diese nicht gerechtfertigt ist oder daß er im Falle eines
Eingehens auf die Forderung andere Mitarbeiter ermuntert, Gleiches zu
verlangen.
Aushandeln von Interessen würde bedeuten, daß
Sie versuchen herauszufinden, warum der Mitarbeiter eine Gehaltserhöhung
möchte.
- Ist es tatsächlich eine Frage des Geldes, um vielleicht die
gestiegenen Lebenshaltungskosten aufzufangen?
- Oder benötigt er mehr Geld, weil sein Kind beispielsweise zur
Universität gehen möchte und er das Geld für dessen Ausbildung
benötigt?
D.h.: "Mehr Geld" wäre schon eine ganz
andere Definition als die vom Mitarbeiter formulierte Forderung "Gehaltserhöhung".
Sie könnten dann weiterfragen: Eine Gehaltserhöhung bedeutet
mehr Geld für gleiche Arbeit.
- Ist es möglich, daß der Mitarbeiter froh darüber
wäre, mehr zu arbeiten und folglich dann auch mehr Geld zu verdienen?
- Wäre der Mitarbeiter vielleicht zufrieden, wenn er die Gelegenheit
bekäme, Überstunden zu machen, die dann entsprechend vergütet
würden?
- Kann es sein, daß...
Bei all diesen Vorschlägen geht es darum, daß
der Mitarbeiter das bekommt, was er tatsächlich möchte (mehr
Geld), anstatt - wie von ihm formuliert - eine "Erhöhung",
ohne daß dadurch eine zusätzliche Belastung für den Arbeitgeber
gegeben ist.
Beim Aushandeln von Interessen ist jede Partei bemüht, der anderen
beim Erreichen ihrer Ziele behilflich zu sein.
3.2. Die Mini-Max-Strategie zum Umgang mit Widerständen
Im Idealfall sind alle Konfliktparteien Anhänger
des Aushandelns von Interessen, und jeder ist bemüht, dem anderen
entgegenzukommen, bevor dieser überhaupt seine Forderungen stellen
kann. Außerdem gibt es im Idealfall jede Menge Bedürfnisse
und Wünsche, auf die sich die Parteien einigen können. Doch
leider sieht die Wirklichkeit häufig ganz anders aus.
Beispiel:
Ihr Mitarbeiter möchte wirklich das, was er genannt hat: Eine Gehaltserhöhung,
d.h. mehr Geld für die gleiche Arbeit. Sie meinen, daß Sie
es nicht tun sollten, und es gelingt Ihnen nicht, eine andere Lösung
zu finden, die für den Mitarbeiter annehmbar wäre.
Was jetzt? Es wäre in jedem Fall ein Fehler
zu glauben, daß der Konflikt nicht gelöst werden kann. So schwierig
sich die Situation auch darstellen mag, oder so hartnäckig sich die
Gegenseite auch zeigt, normalerweise gibt es immer einen Weg sich zu einigen.
Es mag also durchaus noch möglich sein, eine Lösung
zu finden mit der sogenannte Mini-Max-Strategie. Sie beruht auf
der Annahme, daß die meisten Menschen bereit sind, etwas zu geben,
wenn sie auf der anderen Seite etwas dafür bekommen oder etwas behalten
dürfen.
Mit der Mini-Max-Strategie versuchen also die Parteien,
etwas zu finden, das sie austauschen können und das für den
anderen akzeptabel ist (Gewinner-Gewinner-Situation).
Bei der Anwendung der Mini-Max-Strategie sind immer die
folgenden fünf Fragen zu stellen:
- Was ist das Mindeste, auf das ich mich einlassen kann?
- Was ist das Äußerste, das ich verlangen kann, ohne daß
ich mich lächerlich mache?
- Worauf kann ich maximal verzichten?
- Was ist das Mindeste, das ich anbieten kann, ohne ausgelacht zu werden?
- Wie ist die Lage der Gegenpartei? Was ist das Minimum und Maximum
des Verhandlungspartners, was etwas ganz anderes sein kann, als er sagt?
Hierbei gibt es sechs "goldene Regeln":
- Gehen Sie nicht davon aus, daß Ihr Gegenüber sich so verhält,
wie Sie es tun würden.
- Gehen Sie nicht davon aus, daß die Werte des Gegenübers
die gleichen sind wie Ihre.
- Forschen Sie nach.
- Fragen Sie Ihren Gegenüber nach seinen Bedürfnissen und
Alternativen.
- Schweigen Sie zeitweise, um den Gegenüber Informationen zu entlocken.
- Wiederholen Sie erste Abmachungen.
Fazit:
1. Es stimmt zwar, daß nicht jede Konfliktpartei bereit ist, an
einer konstruktiven Lösung zu arbeiten. Einige haben sogar Freude
am Konflikt an sich. Doch den meisten ist stark daran gelegen, den Konflikt
zu lösen, damit sie ihre Energie wieder anderen Dingen zuwenden können.
2. Ein sehr häufig gemachter Fehler ist es darüber hinaus immer
wieder, Meinungsverschiedenheiten zu einem handfesten Konflikt eskalieren
zu lassen, um letztlich doch als "Gewinner" vom Platz zu gehen,
selbst bei einem "Streitwert unter einer Mark".
Erschienen in Ausbilder-INFO
Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau, Heft 4/1996
|
|
|