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Methoden der Ausbildung 1
Methoden der Ausbildung 2
Methoden der Ausbildung 3
Methoden der Ausbildung 5
Die zeitgemäße Führung von Mitarbeitern
Beratungs- und Förderungsgespräch
Die Auswahl des Auszubildenden
Der Ausbilder als Teamentwickler
Der Ausbilder als Mitarbeiter- entwickler
Der Ausbilder als Konflikt- moderator
Der Ausbilder als Problemlöser
Der Ausbilder - mehr als nur 'Lehrer'
Mehr Zeit für die Ausbildung
Der Kunde als König
Wie wähle ich den 'richtigen' Auszubildenden
Interkulturelle Kompetenz
Literatur- empfehlungen
Scientology- erklärung
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Innere Kündigung
von Stephan Möller
Seit einiger Zeit plagt sich der Ausbilder Klinke schon
mit der Vermutung, doch so recht sicher war er sich nicht. Wenn er doch
nur die Ursachen kennen würde. An Ihm kann es ja schließlich
nicht liegen - oder doch? Es ist schon einige Monate her, daß er
erstmalig beobachtete, daß sein bester Auszubildender, Carlo, von
der bisher gezeigten Initiative und des für ihn schon sprichwörtlichen
Ehrgeizes nichts mehr erkennen ließ. Vielmehr macht er lediglich
"Dienst nach Vorschrift", hängt sich nicht mehr in die
ihm übertragenen Aufgaben rein, kritisiert nicht mehr, verbessert
nichts. Und jedes Mal, wenn ihn unser Ausbilder ansprach, war angeblich
alles in bester Ordnung. Anfangs dachte er noch, dies sei lediglich ein
vorübergehendes "Formtief". Doch dies will einfach nicht
aufhören, im Gegenteil.
So oder ähnlich könnte sich die Situation aus
der Sicht eines Ausbilders darstellen, der es mit einem innerlich gekündigten
Mitarbeiter zu tun hat. Doch was heißt "INNERE KÜNDIGUNG"?
Ein innerlich gekündigter Mitarbeiter identifiziert
sich nicht, besser gesagt nicht mehr mit dem Unternehmen und dessen Zielen.
Seine Einstellung zur Tätigkeit ist geprägt durch den bewußten
Verzicht auf Engagement und Eigeninitiative, er lehnt damit die wichtigsten
Anforderungen an einen Mitarbeiter ab. Seine Aktivitäten werden durch
die pflichtgemäße Erledigung der täglich anfallenden Routinearbeiten
bestimmt. Darüber hinaus ist er nicht bereit kreativ tätig zu
werden. Vielmehr verhält er sich weitgehend passiv. Seine Motivation
beschränkt sich ausschließlich auf den Gelderwerb und die Art
von Tätigkeiten, die gerade ausreichen, um seinen Arbeitsplatz, den
er trotz der inneren Kündigung behalten will, nicht zu gefährden.
Aus diesem Grunde wird er seine Ablehnung auch nicht offen zur Schau stellen,
sondern vielmehr bemüht sein, seinen Vorgesetzten ein angenehmer,
freundlicher, überall geschätzter und gern gesehener Mitarbeiter
zu sein. Zurückhaltung im Auftreten und Bescheidenheit fallen dem
innerlich gekündigten Mitarbeiter, der sowieso keine Möglichkeiten
sucht, um sich zu profilieren, nicht sehr schwer.
Die Symptome und Signale der inneren Kündigung können
unterteilt werden in allgemeine sowie spezielle Signale:
a.) allgemeine Signale
- Gang, Blick, Gesichtsausdruck der Mitarbeiter strahlt Resignation,
Kraftlosigkeit, Frustration oder Gleichgültigkeit aus,
- Sprechweise der Mitarbeiter vor Dritten über Job, Firma, Chef,
Kollegen, vor allem bezüglich der Zukunft hat gedämpfte oder
gar pessimistische Züge,
- Ausstattung der Flure und Räume (eigene Initiative, persönliche
Note) hat sinkenden Stellenwert,
- Kundenreklamationen nehmen zu,
- eigene Initiativen und Vorschläge für Verbesserungen reduzieren
sich,
- keine Kritik von unten nach oben,
- keine Beschwerden, keine Notwendigkeit "Streit" zu schlichten,
- kein Humor, keine Witze, keine Glossen, keine Spitznamen,
- statt dessen: Unterkühlung, Distanz, Friedhofsruhe, Pseudo-Harmonie,
- Rückdelegation, Weiterdelegation,
- sich dumm stellen, Scheinargumente, Verweis auf Vorschriften, die
Grippe nehmen.
b) spezielle Signale im Mitarbeiter-Verhalten beim
Zustand der inneren Kündigung:
- kein Interesse an Auseinandersetzungen,
- typischer Ja-Sager geworden,
- stets bei der Mehrheit,
- keine Vorschläge, keine Kritik,
- wohldosierter, klug verdeckter Konformismus,
- Chef-Entscheidungen werden gar nicht oder nur zustimmend kommentiert,
- Kompetenz wird nicht mehr ausgeschöpft,
- Eingriffe in den eigenen Delegationsbereich werden gelassen hingenommen,
- kein Karriere-Interesse mehr,
- zunehmendes Fehlen wegen Krankheit und Familie,
- Zurückhaltung im Auftreten,
- sehr angenehm im Umgang.
Ursachen für eine innere Kündigung sind entweder
betrieblicher oder persönlicher Natur und darüber vom alter
und sozialen Netz unabhängig. Die in unserer Gesellschaft sich immer
weiter verbreitende pessimistische Grundhaltung führt bei manchem
Mitarbeiter zu einer inneren Emigration in der Form einer Selbstpensionierung.
Ein anderer Grund ist die Angst vor der ungewissen Zukunft.
Diese Angst lähmt die Kreativität zahlreicher Mitarbeiter, auch
Auszubildender oder deren Vorgesetzte.
Vielfach ist die innere Kündigung allerdings die
Quittung für fehlerhaftes Verhalten von Vorgesetzten, die den erforderlichen
kooperativ-situativen Führungsstil übergehen und sich meist
nicht an ihren eigenen oder den Führungsrichtlinien des Unternehmens
orientieren. Eine oft beobachtete Abwertung der Mitarbeiter und Auszubildenden,
die unter anderem auf der Vorstellung beruht, die Mitarbeiter würden
nur des Geldes wegen arbeiten und müßten deshalb ständig
zur Artbeit angehalten und kontrolliert werden, ist eine mögliche
Konfliktursache. Die betroffenen Mitarbeiter werden diese Form der Kontrolle
als demotivierend empfinden.
Auch ständige Eingriffe in den Verantwortungsbereich
der Mitarbeiter, das Aufheben getroffener Entscheidungen durch den Vorgesetzten
ohne ausreichende Begründung.
Weitere Wegbereiter der inneren Kündigung durch
direkte Führungsfehler sind:
- Eingriffe in den Aufgabenbereich, Durchregieren, Vorbeiregieren,
Mißachtung des Delegationsprinzips
- Abweisen und nicht in Anspruch nehmen von Mitarbeiterberatung
- Keine Sinngebung und Erklärung von Chef-Entscheidungen
- Für Erfolge ist nur der Chef zuständig
- Fehlentscheidungen durch Mitarbeiter ausbügeln und abfangen
lassen
- Fehlende oder unzureichende Übertragung von Kompetenzen, aber
von Aufgaben, sprich Arbeit und Verantwortung
- Autoritäres Verhalten bei Ziel- und Soll-Vorgaben
- Fehlende oder unzureichende Information
- Information als Ausdruck von Kritik und Anerkennung
- Demotivierende Kontrolle - Mißtrauen als Grundphilosophie
- Verletzende Form der Beurteilung der Mitarbeiter
- "Kneifen" des Vorgesetzten bei Fehlverhalten anderer Stellen
seinem Mitarbeiter gegenüber
- Mangelndes Verständnis gegenüber persönlichen Problemen
und Schwierigkeiten
- Ungerechtigkeiten bei Lob und Tadel, Bevorzugung einzelner
- Launenhaftigkeit, Willkür, Schikane
- Keinerlei "Vertrauensvorschuß"

Dem Phänomen der inneren Kündigung kann nur
mit Mitteln der moderen Mitarbeiterführung begegnet werden. Nur eine
positive Grundeinstellung zum Auszubildenden und Mitarbeiter schafft die
Rahmenbedingungen für bestmögliche Leistungen bei geringstmöglichen
Kosten und größtmöglicher Zufriedenheit. Zwischen dem
Auszubildenden/Mitarbeiter und dessen Vorgesetzten muß ein gesundes
Vertrauensverhältnis bestehen, um beiden die Chance zur Identifikation
mit der Aufgabe zu geben. Dies setzt eine Auseinandersetzung mit menschlichen
Schwächen, Gefühlen und Bedürfnissen voraus.
Weitere praktische Gegenmittel und Gegenmaßnahmen zur Bewältigung
der inneren Kündigung:
- Bewußt und gekonnt führen
- Vorbild sein und vorleben
- Transparentes Konzept von Führung und Organisation
- Miteinander und "psychische Tuchfühlung" schaffen,
zum Beispiel durch Teamarbeit
- Besser informieren als Dritte
- Bewußter Einsatz der Intuition
- Das Gespräch als bewußtes Kommunikationsmittel nutzen
- Vertrauenbildendes Führungsverhalten:
- Offenheit - Ehrlichkeit
- Information ist auch Vertrauensbasis
- Mitarbeiter ernst nehmen
- Sich beraten lassen
- Fehler einsehen und zugeben
- Kontinuität - Konsequenz
- in dubio: sich vor die Mitarbeiter stellen
- Mitarbeiter vor Dritten herausstellen
- Kein Mitarbeiter macht alles falsch! Also zuerst das Positive
erwähnen!!
- Vertrauensvorschuß vor allem bei Kontrolle und Zielfindung
- Persönliche, namentliche Ansprache
- Tue Gutes und sprich darüber - dezent, aber vernehmbar
- Zeigen, was man als Chef kann
- In die Betriebsversammlung gehen - gut vorbereitet!
- Sich selbst vertrauen - Positiv und konstruktiv an die Zukunft
denken
- Zu allem: Kompetente Hilfe in Anspruch nehmen!
Hauptforderung an den Ausbilder:
Sofort bei sich anfangen!!
Wichtig ist jedoch zu erkennen, daß diese Maßnahmen nicht
sofort dauerhaften Erfolg zeitigen werden, sondern daß dieser Prozeß
der Vertrauensbildung oft ein langwieriger und holperiger Weg mit Rückschlägen
sein kann. Also nicht sofort aufgeben sondern am Ball bleiben.
Stets verfolgtes Ziel muß es sein aus Betroffenen
Beteiligte und nicht aus Beteiligten Betroffene machen!
Erschienen in Ausbilder-INFO
Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau, Heft 1/1997
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