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Artikel/
Dokumente:
Methoden der Ausbildung 1
Methoden der Ausbildung 2
Methoden der Ausbildung 5
Die zeitgemäße Führung von Mitarbeitern
Beratungs- und Förderungsgespräch
Die Auswahl des Auszubildenden
Innere Kündigung
Der Ausbilder als Teamentwickler
Der Ausbilder als Mitarbeiter- entwickler
Der Ausbilder als Konflikt- moderator
Der Ausbilder als Problemlöser
Der Ausbilder - mehr als nur 'Lehrer'
Mehr Zeit für die Ausbildung
Der Kunde als König
Wie wähle ich den 'richtigen' Auszubildenden
Interkulturelle Kompetenz
Literatur- empfehlungen
Scientology- erklärung
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"Methoden in der Ausbildung - oder: Von Lust und Frust des Auszubildenden
mit seinem Ausbilder"
TEIL 3
Die Projektmethode - Mittel der Wahl, unglaublich viel
Vorbereitung und sowieso nicht machbar
von Stephan Möller
Im Workshop "Neue Wege zur Gestaltung der Ausbildung" im Rahmen
der Weiterbildung der Ausbilder werden die Teilnehmer befragt, welche
Ziele die Ausbildung zum Landschaftsgärtner verfolgt. Die Hauptziele
sind:
- Fachkompetenz,
- Eigenständigkeit und Selbstverantwortung,
- Motivation,
- Identifikation mit dem Beruf,
- Spaß an der Arbeit,
- Qualitäts- und Kostenbewußtsein und
- Schlüsselqualifikationen wie menschlich-soziale Kompetenz, Konflikt-
und Problemlösungsfähigkeit und Teamorientierung (siehe auch
Teil 1 dieser Artikelserie)
Diese sollen im Rahmen einer handlungsorientierten, d.
h. an der Praxis ausgerichteten, Fähigkeiten und Fertigkeiten vermittelnde
Ausbildung erreicht werden.
Um diese Ziele zu erreichen, sind in angemessener Weise
die verschiedenen Methoden zu kombinieren. Wenn man sich allerdings fragt,
in welchem Maße die verschiedenen Methoden die Zielerreichung unterstützen,
so erweist sich schnell, daß hierbei Methoden, bei der die Interaktion
zwischen mehreren Auszubildenden besonders gefordert und die Bewältigung
einer komplexen Aufgabe im Mittelpunkt steht, besonders wertvoll sind.
Hierfür steht insbesondere die Projektmethode. Warum ist das so?
Um diese Frage zu beantworten ist zunächst zu klären,
was überhaupt ein Projekt ist?
Bei einem Projekt handelt es sich um eine sachlich und zeitlich begrenzte
Aufgabe, die durch Zusammenarbeit mehrerer Personen gelöst werden
muß.
(nach ELISABETH MEHRMANN und THOMAS WIRTZ)
Bei der Projektmethode bearbeiten also die Auszubildenden ein bestimmtes
Gebiet/ eine bestimmte Aufgabe so, daß am Schluß ein vorzeigbares
oder für sie verwendbares Ergebnis vorliegt.
Besondere Merkmale sind, daß die Teilnehmer an
einem solchen Projekt
- sich auf gewisse Umgangsformen miteinander verständigen;
- sich selbst in einem begrenzten zeitlichen Rahmen selbst organisieren;
- die veranschlagte oder zur Verfügung gestellte Zeit für
die verschiedenen Tätigkeiten, z.B. durch Planen, Organisieren,
Umsetzen und Kontrollieren selbst einteilen;
- sich gegenseitig in gewissen Abständen informieren und abstimmen;
- sich mit einer relativ offenen Aufgabe mit in der Regel recht viel
Gestaltungsspielraum beschäftigen;
- sich neben der fachlichen Aufgabe auch mit dem Gruppenprozeß
der Projektgruppe auseinandersetzen müssen (Reibungen und Spannungen),
um daß Projektziel zu erreichen;
- sich gegenseitig in den verschiedenen Situationen helfen und
- sich mit realen betrieblichen Situationen, Gegenständen oder
Fragestellungen auseinandersetzen.
Die Vorteile dieser Methode liegen auf der Hand:
- Wer entdeckend lernt, behält das Gelernte länger und schafft
leichter den Transfer (die Übertragung auf verwandte Themen und
Tätigkeitsfelder),
- Es regt den Auszubildenden dazu an, selber Themen, Fragestellungen,
Methoden und Problemlösungen zu finden.
- Die Auszubildenden steigern unter anderem ihre Entscheidungsfähigkeit,
Selbstvertrauen, Kooperationsfähigkeit und Selbstorganisation.
- Gerade die Schwächeren profitieren besonders, da der Ausbilder
sich nicht davon frei machen kann, besonders die guten und leistungsstärkeren
Auszubildenden besonders zu fördern. Tritt der Ausbilder in seiner
Aktivität zurück, kann davon ausgegangen werden, daß
relativ zu den Stärkeren die Schwächeren mehr Gewinn ziehen.
- Die Methode erfordert, damit das Ziel erreicht wird, von den Auszubildenden
das strukturierte Vorgehen mit Zwischenzielen. Hierdurch wird besonders
eine gute Arbeitsorganisation gefördert.
- Die Motivation der Auszubildenden ist, so die Erfahrung der bislang
in der Praxis durchgeführten Projekte, spürbar angestiegen.
Keine Methode ohne Grenzen:
- Die Projektmethode erfordert insbesondere vom Ausbilder eine gute
Vorbereitung und Betreuung der Projektgruppe.
- Nur mit der Projektmethode läßt sich Ausbildung auf keinen
Fall machen. Hierzu bedarf es auch anderer Methoden.
- Wenn der Lernerfolg kurz nach dem Abschluß des Projektes vorhanden
sein soll, wird diese Methode scheitern, da der Erfahrung nach Lerngewinn
erst zeitverzögert auftritt.
- Darüber hinaus sollte diese Methode nur dann eingesetzt werden,
wenn ausreichend Zeit zur Verfügung steht. Unter Zeitdruck droht
diese Methode zu versagen. Es gilt hierbei der Grundsatz aus einem unserer
Zeitmanagement-Seminare
"Wer mehr Zeit haben will, muß zunächst Zeit investieren!"
Was ist bei der Anlage eines Projektes zu bedenken (Checkliste):
1. Welche Fach- und Verhaltensziele will ich erreichen?
2. Welche konkrete Aufgabe ist zu bewältigen?
3. Welche Auszubildenden stehen mir mit welchem Ausbildungsstand zur Verfügung?
4. Wer soll von den Auszubildenden die Leitung der Projektgruppe inne
haben? (Getreu dem Grundsatz: "Keine Gruppe ohne Leitung")
5. Welche Rahmenbedingungen sind zu beachten (Zeitvorgabe, Kostenrahmen,
Entscheidungsspielraum, Gestaltung des Informationsflusses etc.)
6. Welche Hilfsmittel (Literatur, Werkzeuge, Maschinen, Anschauungsmaterial
...) stehen zur Verfügung?
7. Wie stelle ich mir aus Ausbilder die Kontrolle vor (hinsichtlich des
Prozesses und hinsichtlich des Ergebnisses)?
8. Wie soll das Projekt ausgewertet werden (Manöverkritik, Abnahme,
Erfahrungsaustausch...)?
9. Wie stelle ich eine Projektdokumentation sicher?
10. Wie gedenke ich die Auszubildenden für die erbrachte Leistung
zu belohnen? Dieser Punkt ist besonders wichtig, da vielfach gerade die
Anerkennung zu stark vernachlässigt wird. Der Grundsatz "Gute
Leistung ist bei uns das Minimum" oder "Solange ich nichts sage
ist alles in Ordnung" führt nur zur Demotivation und ist in
der Regel vor dem Hintergrund der Komplexität der Projektaufgabe
auch unangemessen.
Fazit:
- Auch die Projektmethode ist nicht die perfekte Ausbildungsmethode.
- Sie ist sicher eine besonders gute Methode zur Erreichung der anspruchsvollen
Ziele der Ausbildung zum Landschaftsgärtner, insbesondere zur Vermittlung
der "Schlüsselqualifikationen".
- Besonders gut wirken kann diese Methode dann, wenn das Projektergebnis
Bestand haben und zur späteren Auswertung wieder herangezogen werden
kann.
- Die Erfahrung aus den ersten Nachbereitungen der Workshops haben gezeigt,
daß sehr wohl eine Umsetzung bei dem Kunden realisierbar und wirtschaftlich
vertretbar ist. (Vgl. hierzu: Ausbilder-Info, Heft 4/98, Seite 4f)
- Durch einen Mix der verschiedenen Ausbildungsmethoden kann die Wirkung
solcher Projekte sicher noch vertieft werden.
- Wie letztlich bei den anderen Methoden auch, steht und fällt
die Projektmethode mit der Vorbereitung durch den Ausbilder.
Erschienen in Ausbilder-INFO
Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau, Heft 2/1999
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