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Dokumente:
Methoden der Ausbildung 1
Methoden der Ausbildung 2
Methoden der Ausbildung 3
Methoden der Ausbildung 5
Die zeitgemäße Führung von Mitarbeitern
Beratungs- und Förderungsgespräch
Die Auswahl des Auszubildenden
Innere Kündigung
Der Ausbilder als Teamentwickler
Der Ausbilder als Mitarbeiter- entwickler
Der Ausbilder als Konflikt- moderator
Der Ausbilder als Problemlöser
Der Ausbilder - mehr als nur 'Lehrer'
Mehr Zeit für die Ausbildung
Der Kunde als König
Interkulturelle Kompetenz
Literatur- empfehlungen
Scientology- erklärung
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Wie wähle ich den "richtigen"
Auszubildenden aus?
von Jörg Buschfeld
Ausbildungsplatzmarkt und Bewerbernachfrage sind in
den letzten Jahren erheblich in Schieflage geraten. Regionale Unausgewogenheiten
und insbesondere erhebliche Ungleichgewichte zwischen den Berufswünschen
der Jugendlichen und dem tatsächlichen Angebot in den jeweiligen
Ausbildungsberufen sind für diese Situation kennzeichnend.
Für einen Unternehmer stellen sich hier vorrangig
zwei Herausforderungen:
- "Ausbildungsmarketing" oder "Wie erreiche ich eine
ausgewogene Anzahl an Bewerbungen"
- "Auswahlverfahren" oder "Wie wähle ich den/die
"richtigen" Auszubildenden aus?
AUSBILDUNGSMARKETING
Das Spektrum möglicher Ausbildungsmarketingaktivitäten
ist sehr groß. Es ist sinnvoll sich nicht auf eine einzige Aktivität
zu verlassen, sondern ein möglichst breit gefächertes Angebot
zu schaffen, um viele Jugendliche anzusprechen.
AUSBILDUNGSMARKETING-AKTIVITÄTEN

Die Öffentlichkeitsarbeit dient dazu, potenzielle Bewerber
direkt und gezielt mit Hilfe unterschiedlicher Medien anzusprechen (Beratungen
in Schulen, "Azubi`s werben Azubi`s", Zeitungsartikel, Internet,
Prospekte, Broschüren etc.). Vielfältige Informationsveranstaltungen
zur Vermittlung von Ausbildungsinhalten und -ablauf, von Qualität
und Perspektiven sind ein weiterer wichtiger Faktor (Betriebsbesichtigungen,
Ausbildungsbörsen, Elternabend, etc.). Orientierungsveranstaltungen
gehen noch über diesen rein informativen Charakter hinaus. Sie fördern
das gegenseitige Kennenlernen und ermöglichen beiden Seiten einen
besseren Einblick. Das Praktikum bietet die gleichen Möglichkeiten,
jedoch über einen längeren Zeitraum. Projekte können
vor, während und nach der Ausbildung als Marketinginstrument eingesetzt
werden. Sie unterstützen die Vernetzung von Personen und Inhalten
(Selbstorganisierte Projekte, Azubi`s + Schüler, Unternehmens-Projekte).
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Darstellung der Ausbildungsqualität
und der damit verbundenen Kompetenz (Kooperation mit Berufsschulen, Verbundausbildung,
Schulung der Ausbilder). Als besonderer Anreiz zur Aufnahme einer Ausbildung
kommt den Zusatzqualifikationen immer mehr Bedeutung zu (interne
Weiterbildung, berufsbegleitendes Studium). Ein breites Spektrum unterschiedlicher
Aktionen ist im Rahmen des Ausbildungsmarketing zudem denkbar (
Tag der offenen Tür, "Ausbildung life erleben" etc.).
Um nun aus den Bewerbungen den/die richtigen Kandidaten
auszuwählen, sollen im folgenden einige Anregungen für die erfolgreiche
Auswahl gegeben werden.
ANFORDERUNGEN FESTLEGEN
Der erste Schritt zur erfolgreichen Auswahl ist das Festlegen
der notwendigen Anforderungen die ein Bewerber mitbringen sollte. Definieren
Sie klar, was Sie von den Bewerbern erwarten. Sie können dabei eingehen
auf Schulabschluss, persönliche Eigenschaften, Interessen, Führerschein,
theoretische Kenntnisse, körperliche Verfassung etc.
BEWERBUNGSUNTERLAGEN SICHTEN
Auf Basis dieser Anforderungen und dessen künftigen
Aufgaben sollten Sie im nächsten Schritt die Bewerbungsunterlagen
sichten. Hierzu gehören die schriftliche Bewerbung, Lebenslauf, Schulzeugnisse
und Praktikumsnachweise.
Informieren Sie zeitnah die Bewerber über den Erhalt der Unterlagen
und geben Sie den Zeitpunkt der Bewerberauswahl bekannt. Dies signalisiert
den Bewerbern, dass Sie professionell bei der Auswahl von Auszubildenden
umgehen. Denken Sie daran, dass bei einer Bewerbung, unabhängig von
der zu besetzenden Position, nicht nur die Bewerber bewertet werden, sondern
auch Sie bzw. Ihr Unternehmen sich einer Bewertung unterzieht.
AUSWAHLVERFAHREN DURCHFÜHREN
Es gibt verschiedene Methoden, Auszubildende auszuwählen.
Häufig werden Interviews genutzt, die teils frei, teils strukturiert
durchgeführt werden, um die Informationen zu erlangen, die notwendig
sind, den "besten" Kandidaten auszuwählen. Die Schwierigkeiten
die hier entstehen sind von vielfältiger Art. Auf der einen Seite
neigen wir dazu, im Einzelgespräch mehr selbst zu reden, als Informationen
von den Bewerbern zu sammeln. Andererseits ist es schwierig, sich nicht
von Wahrnehmungsfehlern täuschen zu lassen. Der "erste Einruck",
eigene Einstellungen, Haltungen und Erfahrungen werden zum alleinigen
Maßstab der Entscheidung gemacht und verhindern eine möglichst
hohe Objektivität bei der Auswahl.
GRUPPENAUSWAHLVERFAHREN
Als Alternative bietet sich Ihnen die Möglichkeit,
ein Gruppenauswahlverfahren durchzuführen.
WIE SIEHT DIE DURCHFÜHRUNG AUS?
Nachdem die Anforderungskriterien festgelegt sind und
eine Vorauswahl anhand der Bewerbungsunterlagen getroffen ist, geht es
nun um die Durchführung des Bewerberauswahlverfahrens.
Organisation
Es empfiehlt sich, maximal 12 Bewerber gleichzeitig einzuladen.
Die Rollen sollten im Vorfeld klar abgesprochen sein, d.h. einer übernimmt
die Moderation, der/die Andere fungiert als Beobachter. Der Beobachter
kann im Betrieb als Ausbilder oder Betriebsrat tätig sein. Ziel ist
es, die Entscheidung im Anschluss gemeinsam zu treffen.
Um eine entspannte Atmosphäre herzustellen wird ein ausreichend großer
Raum zur Verfügung gestellt, Tische in U-Form aufgestellt und Getränke
angeboten.
Vorstellungsrunde
Erster Baustein des Auswahlverfahrens ist die Vorstellungsrunde.
Hier geht es vorwiegend darum, den Bewerbern die Nervosität zu nehmen,
sie anregen vor der Gruppe zu sprechen und zusätzlich zu ihren Lebenslauf,
weitere Informationen über den bisherigen Werdegang, Interessen und
Motivation zu erlangen.
Diskussionsrunde
Die Bewerber erhalten eine Vielzahl von Themen, die momentan
aktuell sind, das Unternehmen betreffen oder zur Ausbildung gehören.
Die Kandidaten wählen ein Thema frei aus, bekommen die Aufgabe Ihre
persönliche Meinung zu diesem Thema zu vertreten und stellen sich
anschließend der Gruppendiskussion.
Zu beobachten sind hier die Darstellung der eigenen Meinung, das soziale
Verhalten und die Kritikfähigkeit innerhalb der Gruppe. So erhalten
Sie von jedem Bewerber ein klares Bild und können entscheiden, wer
Ihre Anforderungen erfüllt und am besten für Ihr Unternehmen
geeignet ist.
Speziell in dieser Runde erkennen Sie genau, bei welchen Kandidaten die
Teamfähigkeit besonders ausgeprägt ist.
Gemeinsame Ziele zu verfolgen und zu erreichen und qualitativ hochwertige
Arbeit zu leisten, nehmen für Unternehmen einen immer höher
werdenden Stellenwert ein. Erreichen werden Sie dies nur durch funktionierende
Teamarbeit!
Fragerunde
Wir erwarten von Bewerbern, dass sie sich auf das Bewerbungsgespräch
vorbereiten und Motive haben, warum sie gerade in Ihrem Unternehmen eine
Ausbildung beginnen wollen. Die Fragerunde ermöglicht den Kandidaten,
Fragen zum Unternehmen, zur Ausbildung, zum Ablauf, zur Übernahme
und weiteren Perspektive etc. zu stellen. Die Beobachter gewinnen sehr
schnell einen Überblick, wer gut vorbereitet in diese Auswahlrunde
erschienen ist, wer ein klares Interesse an dieser Ausbildungsstelle zeigt
und sich im Vorfeld bereits Informationen besorgt hat.
Praktische Arbeitsprobe
Ergänzen kann man, je nach Ausbildungsberuf, eine
praktische Arbeitsprobe mit einbauen. Hier erkennen Sie das handwerkliche
Geschick bzw. die Fingerfertigkeit der Bewerber.
Die Vorteile dieses Verfahren
- Zeitersparnis
Sie schaffen sich innerhalb von vier Stunden einen Überblick über
max. 12 Bewerber. Kalkulieren Sie bei Einzelgesprächen nur 45 Minuten
ergibt sich hier eine Zeitersparnis von fünf Stunden.
- Informationsfluss
Durch ein Gruppenauswahlverfahren bekommen Sie ein vielfaches an Informationen.
Nicht nur Interessen und bisheriger Werdegang, auch soziales Verhalten
in Gruppen, Kritikfähigkeit, Aktivität, Teamfähigkeit,
Argumentationsfähigkeit und praktisches Geschick lassen sich bewerten.
- Auswahl
Durch den direkten Vergleich wird Ihre Auswahl erleichtert. Die Gefahr
nur den "Einäugigen unter den Blinden" zu finden, ist
minimal, da die im Vorfeld definierten Anforderungen klar sind. Durch
die Anwesenheit eines zweiten "Beobachters" werden Sympathie
oder Antipathie als Entscheidungsmerkmal keine Rolle spielen.
- Image
Die Bewerber werden positiv reagieren, da sie erkennen wie wichtig dem
Unternehmen die Entscheidung ist. Auch die Auswahl wird akzeptiert,
da sie sich selber im Vergleich zu den anderen Bewerbern sehen und bewerten.
Die Außenwirkung ist enorm, da sich eine solche Maßnahme
herumspricht.
- Atmosphäre
Die jugendlichen Bewerber fühlen sich wohler in einer Umgebung
mit Altersgenossen, die alle im selben "Boot" sitzen. Die
Nervosität wird in kürzester Zeit abgelegt.
Entscheidungsfindung und der Umgang mit den Ergebnissen
Unmittelbar nach Abschluss der Bewerberrunde sollten
Moderator und Beobachter jeden Kandidaten anhand des Anforderungsprofils
bewerten. Diese Entscheidung auf den nächsten Tag zu verschieben
ist nicht empfehlenswert, da Eindrücke verschwimmen bzw. verfälscht
werden.
Die Ergebnisse sollten den Bewerbern zeitnah mitgeteilt
werden. Häufig fragen Bewerber, die eine Absage erhalten haben, nach
den Gründen. Genau in dieser Situation, die einerseits sehr verantwortungsvoll,
andererseits aber auch imagebeeinflussend ist, zeigt sich, wie systematisch
(Anforderungsprofil) der Entscheidungsweg ist. Aus Sicht des Bewerbers,
dessen Selbstwertgefühls und dessen beruflicher Zukunft ist es schon
entscheidend, dass er versteht, ob er grundsätzlich für den
Beruf geeignet ist, aber vielleicht in einem anderen Unternehmen, oder
ob er sich beruflich komplett umorientieren soll und in welche Richtung.
Trotz der Verantwortung die Sie bei der Auswahl neuer
Auszubildenden übernehmen ist es ein tolles Gefühl, wenn man
anschließend die weitere Entwicklung miterlebt.
Erschienen in Ausbilder-INFO
Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau, Heft 2/2001
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