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Die zeitgemäße Führung von Mitarbeitern im Garten- und
Landschaftsbau
von Stephan Möller
Auf einer Fahrt mit dem Zug von Oldenburg nach Erfurt
stolperte ich über eine schon alte, aber nichts desto trotz immer
noch aktuelle Geschichte:
"Eines Tages ging ein armer Farmer in seine Scheune
und fand ein goldenes Ei im Nest seiner Gans. Sein erster Gedanke war:
"Da will sich jemand über mich lustig machen." Aber um
sicher zu gehen, nahm er das Ei und brachte es zu einem Goldschmied. Dieser
prüfte das Ei und teilte dem Famer mit: "100 Prozent Gold, durch
und durch reines Gold." Der Farmer verkaufte das Ei und ging mit
viel Geld nach Hause. Am Abend gab er ein großes Fest.
Im Morgengrauen stand die ganze Familie auf, um zu
sehen, ob die Gans eventuell noch ein goldenes Ei legte. Und tatsächlich,
wieder lag ein goldenes Ei im Nest. Von da ab fand der Farmer jeden Morgen
ein weiteres goldenes Ei, das er verkaufte, und er wurde sehr reich.
Aber der Farmer war ein habgieriger Mann. Er fragte
sich, warum die Gans nur ein Ei legte. Und überhaupt wollte er gerne
wissen, wie das Tier das machte, um selber goldene Eier produzieren zu
können. Er steigerte sich immer mehr in seine Wut hinein. Schließlich
lief er in den Stall und spaltete die Gans mit einem Buschmesser in zwei
Hälften. Alles, was er fand, war ein halbes, in der Entstehung begriffenes
Ei.
Und die Moral von der Geschicht: Töte deine Gänse
nicht."
(B. Schäfer: 1998)
Auch am Arbeitsplatz werden oftmals viele goldene Eier
gelegt von motivierten, qualifizierten, engagierten Mitarbeitern, die
sich mit ihrer Arbeit und ihrem Arbeitgeber identifizieren. Leider gibt
es jedoch auch sehr viele Buschmesser' in Form von demotivierendem
Führungsverhalten, mangelnden Qualifizierungsmöglichkeiten,
fehlenden Perspektiven oder unzureichendem Teamklima.
Die Führungskraft im Garten- und Landschaftsbau
ist eine der wichtigsten Schlüsselpositionen in der Branche. Er ist
es, der die Grundlagen für eine hohe Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter
und eine hohe Qualität der Arbeit legt. Er muß es verstehen,
die Interessen des Unternehmens und gleichermaßen die seiner Mitarbeiter
unter einen Hut zu bekommen. Von diesen Führungskräften wird
zukünftig ein umfangreicheres Rollenverständnis zu erwarten
sein, denn der Mitarbeiter im Garten- und Landschaftsbau ist heute kritischer,
selbstbewußter, erwartungsvoller, mündiger und vor allem sensibler
als noch vor einigen Jahren. Er läßt sich heute von seinem
Selbstwertgefühl her nicht mehr so leicht autoritär führen.
Er läßt sich nur ungern kritisieren, selbst dann nicht, wenn
es nur um die Sache geht.
Das wichtigste Werkzeug einer Führungskraft ist daher die eigene
Persönlichkeit. Kooperatives Führungsverhalten, das ziel- und
mitarbeiterorientiert zugleich ist, gehört zur Firmenkultur und muß
alle Führungskräfte und Mitarbeiter erfassen. Dabei ruht die
Autorität einer Führungskraft auf drei Säulen:

Richtiges Führungsverhalten setzt vor allem bei
der menschlichen Autorität an. Gibt es hier Defizite, ist die menschliche
Seite unterentwickelt, wird das Fehlen gern durch autoritäres Verhalten
wettgemacht. Die Amtsautorität wird dann zunehmend als Machtfaktor
genutzt.

Eine derart eindeutige Überbetonung autoritären
Verhaltens zum Überbrücken bzw. Überdecken eigener fachlicher
bzw. menschlicher Schwächen führt in der Regel dazu, daß
die Führungskraft von den Mitarbeitern zunehmend weniger akzeptiert
wird. Sie verliert die Fähigkeit, seine Mitarbeiter zu beeinflussen
und zu motivieren. Die Folgen liegen auf der Hand: die Leistungsbereitschaft,
das Interesse an der Ausbildung und die Motivation zu guter Arbeit schwindet.
Aber eine viel schlimmere Folge für die Führungskraft kommt
noch hinzu: seine Glaubwürdigkeit, die er sich durch langjährige
Tätigkeit erworben hat, sinkt. Ist diese Situation eingetreten, so
hilft ihm die Amts- und Fachautorität nichts mehr, der Kontakt zu
seinen Mitarbeitern ist gestört. Das Fazit daraus mag sein: "Eine
gute Führungskraft hat nicht Karriere gemacht, wenn sie eine gehobene
Position auf der Hierarchieleiter erlangt hat, sondern wenn sie der Mitarbeiter
um Rat fragt." Dies ist jedoch nur möglich, wenn ein Vertrauensverhältnis
zwischen dem Ausbilder und dessen Lehrling vorhanden ist.
Was können Führungskräfte tun, um sich
dieses Vertrauensverhältnis zu erwerben?
Die Seminarpraxis zeigt, daß sich ein hoher Anteil der Führungskräfte
in puncto Leistungsbereitschaft, Motivation, Freude an der Arbeit, Verläßlichkeit
etc. für besser halten als ihre Mitarbeiter und Auszubildenden. Entscheidend
ist jedoch nicht die tatsächliche Qualifikation, sondern die Einstellung
gegenüber den Mitarbeitern.
Für je besser sich der Ausbilder hält, desto weniger ist er
bereit, seinen Lehrlingen herausfordernde Aufgaben und weiterreichende
Kompetenzen zu übertragen.
Seine Einstellung ist oftmals (Vor-)Urteile und Erfahrungen durch geprägt.
Sie bestimmen weitgehendst sein individuelles Führungsverhalten.
Die negative Einstellung zum Menschen ist daher eine motivationshemmende
Barriere. Die eigene Haltung bestimmt damit die Möglichkeit der Motivation
weitgehend mit.
In der Überprüfung seiner eigenen Einstellung und in der Korrektur
seiner eigenen Erfahrung verfügt er über eine Chance, eine neue
Basis zu finden.
Nur wenn sich die Führungskraft ändert,
ändert sich der Mitarbeiter.
Die Einstellung von Ausbildern und ihre Auswirkungen im Führungsverhalten
finden Niederschlag im sogenannten Pygmalion-Effekt - einem Phänomen
der Führungspsychologie.
Der Pygmalion-Effekt bedeutet:
Was Sie einem Menschen zutrauen, entscheidet
zum Teil auch über seinen Werdegang.
Die Führungskraft macht sich eine ganz bestimmte Vorstellung von
seinem Mitarbeiter und formt ihn auch nach dieser Vorstellung. Jene, die
eine positive Erwartung in ihre Mitarbeiter setzen, scheinen
· um diese Gruppe ein wärmeres, emotionaleres Klima zu erzeugen,
· dieser Gruppe mehr Rückmeldung über ihren Leistungsstand
zu geben,
· dieser Gruppe mehr Informationen zu geben und höhere Anforderungen
zu stellen,
· dieser Gruppe mehr Gelegenheit zu Frage und Antwort einzuräumen.
Fazit: "Gute" Mitarbeiter erhalten:
· mehr Aufmerksamkeit und Kontakt,
· eher Anerkennung - weniger Kritik,
· eher Hilfestellung.
· Fehler werden eher nachgesehen ("kann ja mal passieren").
"Die Macht der Erwartungen, die Sie an Ihren Mitarbeiter stellen,
ist so groß, daß durch sie allein schon ihr Verhalten beeinflußt
werden kann."
Die Beachtung der nachfolgenden Muß-Bedingungen des Führens
verschafft der Führungskraft darüber hinaus eine Grundlage zur
Bewältigung seiner Führungsverantwortung.
a) Positive Einstellung und positives Denken investieren.
b) Innere Gelassenheit auch in Streßsituationen bewahren.
c) Die Einmaligkeit des MA anerkennen.
d) Sich die persönliche Brille des MA aufsetzen, um sich in ihn hineinzudenken
und hineinzufühlen.
e) Die soziale Angst vor dem Mitarbeiter abbauen (z.B. bei schwierigen
Gesprächen).
f) Vorbild sein und vorleben.
Führen nach Vorbild bedeutet, daß der Ausbilder immer eine
Nasenlänge voraus sein muß in der Forderung nach

Die olympischen Ringe der Führung
Die erfolgreiche Führungskraft im Garten- und Landschaftsbau wird
zeigen, daß sich der Einsatz und ein hohes Maß an innerem
Einklang mit diesen "olympischen Ringen" langfristig auszahlt.
Erschienen in Bauwirtschaftliche
Informationen,
Nr. 5, Sept. 2000
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